Untersuchungen der Qualität und Haltbarkeit von CD-Rohlingen

Stand: 12.01.2004

Diese Seite hieß ursprünglich "C1- und C2-Scans diverser Rohlinge"

Da mich die Qualität und Datensicherheit meiner CD-Rohlinge sehr interessiert, habe ich mit meinem Plextor Premium einige Untersuchungen angestellt.

Die einzelnen Rohlinge finden sich auf den folgenden Seiten:

Rohling: TDK/TDK 48x | Imation/CMC 32x (1) | Imation/CMC 32x (2) | CDA/CDA Multispeed | TDK/CMC 48x (1) | Verbatim DLP/MCC 40x | HP/Mitsui CD-R 650MB | TDK/CMC 48x (2) |

Anmerkung: Die hier zusammengetragenen Ergebnisse sind nicht als die absolut einzige Weisheit zu verstehen. Der Plextor ist ein sehr gutes Leselaufwerk, kann aber auch keine Wunder vollbringen. Da außerdem der für das Beschreiben zuständige Brenner wichtig sein kann, habe ich diesen immer mit aufgeführt.

Wer sich für dieses Thema interessiert, sollte eine Weile in der Newsgroup de.comp.hardware.laufwerke.brenner (Homepage zu dieser NG unter http://www.dchlb.de/, FAQ unter http://faq.dchlb.de/, groups.google-Archiv unter http://groups.google.de/groups?group=de.comp.hardware.laufwerke.brenner) mitlesen und ggf. fragen.

Weitere C1-Scans hat Alexander Noé auf seiner Website veröffentlicht:
http://www-user.tu-chemnitz.de/~noe/CDF/Media/CD%20Doctor/

Auch Fabian Keil hat etliche Rohlinge C1-gescannt:
http://www.fabiankeil.de/c1-scans-mit-cd-doctor.html

 

Ein paar Grundlagen

Eines vorweg: Irgendwo habe ich auch einen Link auf eine Website, wo das alles wirklich gut und wissenschaftlich erklärt wird. Nur ist mir der leider gerade entfallen ;-)

Also erläutere ich die Testmethode und die Bedeutung dieser Tests mal so, daß sie (hoffentlich) auch ein Laie versteht.

C1-Fehler: Diese Fehler sind ohne weiteres korrigierbar und treten grundsätzlich auf jedem Rohling nach dem Brennen auf. Trotzdem gilt: je weniger, desto besser.

C2-Fehler: Bis zu einer gewissen Anzahl pro Sektor (ein Sektor hat bei einer Daten-CD 2048 Bytes Nutzdaten) sind auch diese Fehler problemlos korrigierbar. Trotzdem deutet das Vorhandensein von C2-Fehlern auf Brenn- oder Rohlingsprobleme hin.

CU-Fehler: Diese Fehler sind meist nicht mehr ohne weiteres korrigierbar. Auf einer Daten-CD befinden sich noch Fehlerkorrektur-Informationen, auf einer Musik-CD müßte in diesem Falle aber schon der CD-Player interpolieren, sprich: raten. CU-Fehler sollten bei wichtigen Daten überhaupt nicht auftreten, entsprechende Rohlinge sollte man so schnell wie möglich umkopieren. Wenn es denn noch möglich ist.

FE/TE: Focus Error und Track Error. Mein Plextor Premium kann bei einem leeren CD-R-Rohling ermitteln, wie präzise die (leere) Datenspur aufgebracht ist. Der Focus Error gibt die Abweichung nach oben (senkrecht zur CD-Fläche) an, der Track Error gibt die Abweichungen in der Spur an (bei einem Plattenspieler würde man sagen, die Nadel wandert nach links oder rechts). Diesen Fehler muß der Brenner während des Brennvorgangs durch permanentes Nachjustieren des Lasers korrigieren, ansonsten leidet die Brennqualität, da "neben" der Spur geschrieben wird. Je niedriger diese Werte sind, umso besser ist der Rohling für hohe Geschwindigkeiten geeignet.

Generell gilt: Die Scan-Ergebnisse verschiedener CD-Laufwerke sind untereinander nicht vergleichbar. Es gibt Laufwerke, die wirklich herausragend gut lesen können und selbst bei übelsten CDs oder CD-Rs ohne jegliche C2-Fehler die Daten ausgelesen bekommen. Dieselbe CD(-R) kann auf einem anderen Laufwerk trotzdem schwer oder gar nicht lesbar sein.

Anwendung: Ich mache regelmäßig stichprobenartig C1- und C2-Scans von wichtigen Rohlingen. Ich gehe davon aus, daß sich die Rohlinge eines Herstellers ähnlich verhalten, scanne also beispielsweise nur eine handvoll TDKs, eine handvoll MCC und eine handvoll Ritek, um auf die "Gesamtheit" meiner Rohlinge Rückschlüsse zu erhalten. Diese Scan-Ergebnisse muß man aufbewahren! Erst im zeitlichen Verlauf (über Monate oder Jahre immer exakt dieselben Rohlinge testen) kann man feststellen, ob sich ein Rohling (oder gar eine ganze Sorte) verschlechtert. Und nur diese Tendenz ist wichtig. Bleibt die Fehlerzahl auf einem Rohling über Jahre hinweg konstant niedrig, ist dieser Rohling besonders haltbar. Steigt die Fehlerzahl aber signifikant an, kann man unter Umständen rechtzeitig die Daten retten, bevor der Rohling unlesbar wird.

Meine TDK, MCC, Taiyo Yuden und Ritek haben sich seit meinen ersten Versuchen mit C2-Scans vor etwa 2-3 Jahren nicht signifikant verschlechtert. Alle bisher von mir getesten Markenrohlinge (C1-Scans kann ich erst seit ein paar Wochen machen) hatten keinen einzigen C2-Fehler. Bevor ich C2-Scans machen konnte, habe ich immer das schlechteste meiner CD-ROM-Laufwerke zum Testen genommen: konnte es eine CD mühelos (sprich: geräuschlos und weitgehend schnell) lesen, war diese für mich in Ordnung.
Ein entsprechendes Erlebnis hatte ich schon 1996 mit meinem ersten Brenner, einem TEAC CDR50S: Dieses Gerät kam mit Kodak Gold-Rohlingen überhaupt nicht gut zurecht. Schon nach dem Brennen war er schlecht lesbar, also bin ich dann auf TDK umgestiegen. Den Kodak-Rohling habe ich bis vor einiger Zeit regelmäßig beobachtet - die Fehlerzahlen stiegen langsam aber stetig an. Vor etwa einem Jahr endete er dann, wie ich erwartet hatte, unlesbar.

Fazit: Wer auf CD-Rs wichtige Daten sichern will, sollte wissen, was er tut - und er sollte erkennen können, ob die Daten überhaupt sicher sind.

 

Alan Tiedemann, 12.01.2004